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Vom Papyrus bis zur Heimatzeitung

Die Nachrichtengeschichte

(Die Veranstaltung fand am 04.09.2013 statt.)

Elmshorn. Zu jedem Haushalt gehört eine Heimatzeitung – wie lautete einst der Werbespruch der Elmshorner Nachrichten: EN gelesen, dabei gewesen.  Dabei lag die Betonung auf Heimat- oder auf Lokalzeitung. Heimatzeitungen spiegeln das Leben in der Heimat wider. Sie können umfassende und gut recherchierte Berichte, Reportagen, Glossen und Kommentare bieten. Heute gibt es kaum noch Heimatzeitungen. Die meisten Lokalzeitungen verstehen sich als Regionalzeitungen, berichtete Elmshorns Stadtschreiber Ulrich Lhotzky-Knebusch während seines Vortrages „Vom Papyrus bis zur Heimatzeitung“ auf Einladung des Vereins zur Förderung des Stadtarchiv Elmshorn.

Elmshorns Stadtschreiber Ulrich Lhotzky-Knebusch  machte eine Zeitreise durch die Nachrichtenwelt.

Elmshorns Stadtschreiber Ulrich Lhotzky-Knebusch
machte eine Zeitreise durch die Nachrichtenwelt.

Der mehr als einstündige Vortrag mit einer PowerPoint-Präsentation begann mit einem Ausflug ins 3. Jahrtausend vor Christi. „Da gab es Nachrichten auf Papyrus nur auf Sparflamme. Heute wird man von der täglichen Masse an wichtigen, unsinnigen sowie oberflächlichen und überflüssigen Nachrichten und Schlagzeilen erschlagen. (Privat)Fernsehen, Radio und Internet lassen hier besonders grüßen“, so Lhotzky-Knebusch.  

Seine Zeitreise durch die  Nachrichtenwelt setzte sich dann fort über Tontafeln, Brieftauben, Post, Thurn und Taxis, über Kesselflicker und Kiepenkerle, über die Fuggerzeitungen  bis zur Blütezeit der Gründung von Heimatzeitung im 19. Jahrhundert.

Die Zuhörer erfuhren vom Aufstieg der Elmshorner Nachrichten als Heimatzeitung, von der örtlichen Konkurrenz, der Elmshorner Zeitung und  dem Elmshorner Tageblatt. Lhotzky-Knebusch stellte das „Gesicht“ der Heimatzeitung im Laufe der vergangenen 160 Jahre vor und wies auf wichtige Veränderungen hin. Er erinnerte an Personen, die mit der Heimatzeitung EN über Jahrzehnte verbunden waren und für eine inhaltliche Kontinuität und Weiterentwicklung standen.

Lhotzky-Knebusch zitierte unter anderem auch aus der Sonderausgabe der EN zum 100-jährigen Bestehen im Jahre 1951:

Die Zeitung ist ein sonderbares Unternehmen, das nicht ohne weiteres vergleichbar ist mit sonstigen industriellen oder gewerblichen Betrieben. Man muss bei seinem Aufbau wichtige Momente berücksichtigen, die Veranlassung geben, von anderen als rein kaufmännischen Gesichtspunkten auszugehen.  

Und in der Jubiläumsausgabe vom 1. Oktober 1951 stand auch folgender Satz: Ein Tag wie der heutige sollte auch die Leserschaft anregen, darüber nachzudenken, welche Bedeutung es für das Gemeinwohl hat, wenn eine Zeitung wie die Elmshorner Nachrichten ein Jahrhundert im Dienste der Heimat steht.

„Ein Satz, der heute für Diskussionsstoff sorgen würde. Und in 50 Jahren vielleicht niemand mehr versteht. Wie sagte ich eingangs: Heimatzeitungen sind ein Stück Seele, das Gesicht der Heimat. Sie sind wichtig für unsere Gesellschaft, für unsere repräsentative Demokratie, die von unten aufgebaut wird. Qualitätsjournalismus in Pressefreiheit gehört mit zu den tragenden Säulen unserer Demokratie“, so Lhotzky-Knebusch.

In einem weiteren Schwerpunkt zeichnete der Redner die Entwicklung des Nachrichtenwesens seit Mitte der 1980-Jahre auf: Privatisierung und digitale Medien lauteten die Stichwörter. Die negative Entwicklung der Printmedien untermauerte er mit Zahlen. Gleichzeitig stellte Lhotzky-Knebusch Thesen aus den Bereichen Medienpolitik, Volkswirtschaft, Soziologie und Betriebswirtschaft als mögliche Ursachen für diese Entwicklung vor. „Fraglich ist aber, ob die genannten Faktoren zwangsläufig zu der negativen Entwicklung unserer Heimatzeitungen/Tageszeitungen führen mussten. Damit verbunden das Ausdünnen von Heimatzeitungen, das Hin zu Regionalzeitungen und die oft kritisierte mangelhafte Qualität und Aktualität von Tageszeitungen“, so Elmshorns Stadtschreiber. Der danach  den Journalisten Heribert Prantl zu zitierte: „Die wirklich große Gefahr für den Journalismus geht von den Journalisten selbst aus, von den Medien und von den Verlegern.“

„Offen ist, was die Zukunft bringt, auch die Internet-Zukunft. Wenn Verleger aber Zeitungen wie ein totes industrielles Produkt behandeln, Dividenden von 20 Prozent sehen wollen, ist die Zeitung in 30, 50 Jahren tot und das seelenlose Internet schneller, als wir uns wünschen, weiter auf dem Vormarsch“, so Ulrich Lhotzky-Knebusch.

 

 


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