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Feuer bei Sass-Hausschildt am 4. Febr. 1968

Bericht der Elmshorner Nachrichten vom 5. Febr. 1968 (Br.)

Flammenhölle an der Bundesstraße 5

Großfeuer am Rande Elmshorns! Bis auf die Umfassungsmauern brannte gestern Nachmittag das große Wirtschaftsgebäude des Tierzuchtbetriebes Sass-Hauschildt nieder. Dabei entstand ein Schaden von über 300.000 Mark. Neben Maschinen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen wurden zwei Kälber, eine Sau und sechs Ferkel ein Raub der Flammen. Fünf umliegende Wehren, darunter die Elmshorner, bekämpften den Brand. Das technische Hilfswerk leistete tatkräftige Hilfe. Da der Hof unmittelbar an der B5 beim Grauen Esel liegt, musste die Bundesstraße gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden. Zwei Unfälle mit einem Schwer- und zwei Leichtverletzten waren die Folgen. Noch während die Wehren das Großfeuer bekämpften, wurde ein zweiter Brand gemeldet. Vermutlich durch Unachtsamkeit hatten Einbrecher gegen 19.00 Uhr ein Feuer in der Elmshorner Plastikwarenfabrik Teltscher, Kleine Gärtnerstraße 2, verursacht. Das Tanklöschfahrzeug, das als erstes und einziges gerade zur hiesigen Feuerwache zurückgekehrt war, musste sofort wieder ausrücken. Der Brand war nach einer halben Stunde gelöscht. Von den Ganoven fehlte jede Spur. Sie hatten sich rechtzeitig abgesetzt, als es  – im doppelten Sinne des Wortes – brenzlig wurde.

   Das massive pappgedeckte Wirtschaftsgebäude des Sass-Haushild-Hofes brannte wie eine riesige Fackel. Der Rauch zog in einer dicken, schwarzen Wand über die B5. Aus der Ferne sah es aus, als ob die Öltanks der Esso-Station am Grauen Esel brennen würden. Der Verkehr stockte und drohte in einem Chaos unterzugehen. .

   Als die Freiwilligen Feuerwehren eintrafen, brannte das Gebäude schon lichterloh. Es war nichts mehr zu retten. Nur das Wohnhaus konnte abgesichert werden.

   Der Sohn der für ihre Bullenzucht berühmten Bauernfamilie bemerkte als erster den Brand. Der 15jährige Ernst-Otto  wollte kurz nach 15.30 Uhr von der Wohnung zu seinem Vater in den Stall, als ihm dicke Rauchschwaden entgegenschlugen. „Hier qualmt das so doll!“ rief er seinem Vater zu. Bauer Saas-Hauschildt erkannte sofort die Gefahr und rief die zuständige Dorfwehr Kölln-Reisiek.

   Um 16.05 Uhr erreichte Wehrführer Klaus Reumann der Alarm. Sieben Minuten später klingelte die Wecklinie die Besatzung des Elmshorner „Tankers“  zusammen. Um 16.20 Uhr wurde Großalarm gegeben. Sämtliche Elmshorner Fahrzeuge rückten aus und unterstützten die Kleinwehren von Kölln-Reisiek, Bullenkuhlen, Seeth-Ekholt und Sparrieshoop.

   Über 1,5 Kilometer Schlauchlängen mussten bis zum nächsten Löschteich verlegt werden. Aus mehr als fünfzehn Rohren bekämpften die Männer den Großbrand –  dann, nach einer Stunde, war das Feuer unter Kontrolle.

   Dank der massiven Zwischendecke konnte fast das gesamte Vieh gerettet werden. Nur zwei Kälber, eine Sau und deren sechs Ferkel kamen in den Flammen um. Ein Atlas-Lader, ein Elektro-Motor und mehere Zentner landwirtschaftliche Erzeugnisse verbrannten mit dem Gebäude.

   Die Männer der Freiwilligen Feuerwehr und des Technischen Hilfswerkes konzentrierten ihre Bemühungen erfolgreich auf die Rettung des unmittelbar an das Wirtschaftsgebäude anstoßende Wohnhaus. Durch Hitzeübertragung drohte dort gegen 19.00 Uhr im Dachstuhl Feuer auszubrechen. Es konnte im Keim erstickt werden. Um 00.00 Uhr rückte das letzte Elmshorner Fahrzeug ab.

   Die Itzehoer Kripo ermittelt heute Morgen in den noch immer qualmenden Resten des Wirtschaftsgebäudes nach der Brandursache. Das Feuer soll über den Schweinetrakt im Westteil des Gebäudes ausgebrochen sein.

   Im Rundfunk wurde gestern Nachmittag mehrfach auf die Umleitung der B5 infolge des Großbrandes hingewiesen.  Der Verkehr ist zunächst über Seeth-Ekholt/Bevern, später über Ellerhoop/Bevern umdirigiert worden. Dabei kam es zu zwei Unfällen.

   Um 17.30 Uhr rutschte ein Berliner Lkw in den Graben, und gegen 21.40 Uhr stießen  in Ellerhoop infolge eines riskanten Überholmanövers  zwei VW frontal zusammen. Ein Schwer- und zwei Leichtverletzte mussten in das Barmstedter Krankenhaus gebracht werden.

   Mit dem „Elmshorner Feuer“ hatte die Besatzung des Tanklöschfahrzeuges keine Schwierigkeiten. Der von den Einbrechern verursachte Brand war in der Küche der Plastikwarenfabrik ausgebrochen und hatte auf die Decke des Produktionsraumes übergegriffen.

   Die Ganoven hatten mit einem Handlöschgerät der Firma zunächst versucht, das Feuer selbst zu löschen. Was sie nicht schafften, besorgten im Handumdrehen die Feuerwehrmänner. Sie  konnten nach knapp einer Stunde wieder abrücken. Rund 80 Mark aus einer erbrochenen Kassette war die Beute der unvorsichtigen Einbrecher.


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