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Der Name Elmshorn

„Die Geschichte der Stadt Elmshorn“, von Rektor a. D. Konrad Struve, herausgegeben von der Stadt Elmshorn, 1935 – 1956
 

  

Die Lage des alten Elmshorn

Die Lage des alten Elmshorn

Das der Stadtgrund von Elmshorn und seiner näheren Umgebung schon seit vorgeschichtlicher Zeit besiedelt gewesen sind, steht fest; aber es ist nicht anzunehmen, diese vorgeschichtliche Siedlung habe schon den Namen Elmshorn oder einen ähnlichen getragen. Die menschlichen Niederlassungen der Bronzezeit und der frühen Eisenzeit lagen vielfach an anderen Stellen als die heutigen Wohnstätten. Das zeigen in der nächsten Umgebung z.B. die bronzezeitlichen Grabfunde in Reisiek und Kölln, die darauf schließen lassen, dass die bronzezeitlichen Bewohner näher nach dem Autale ihren Sitz gehabt  haben. Selbst noch in geschichtlicher Zeit hat sich die Lage der Wohnstätten im jetzigen Stadtgebiet erheblich verschoben. Zahlreiche Gefäß- und Scherbenfunde auf dem Engelbrechtschen Lande zwischen der Straße Klostersande und Audeich, im Außendeichslande neben dem Boothafen und in der Pieningschen Gärtnerei erweisen, hier habe eine Ortschaft gelegen, die als Vorgängerin von Wisch und Klostersande, vielleicht sogar als ein Hauptteil  des alten Elmshorn anzusprechen ist. Die ältesten Urkunden bezeugen eine Lage des Dorfes Elmshorn auf beiden Seiten der Ciestera  (der jetzigen Krückau, siehe auch hier). Den Namen Klostersande trug dieser Ortsteil südlich der Au bestimmt nicht; dieser Name kann erst nach Erwerb des jetzigen Klostersande durch das im Jahr 1235 gestiftete Jungfrauenkloster zu Uetersen aufgekommen sein.

   Mit dem viel umstrittenen Namen Elmshorn müssen wir uns eingehender beschäftigen. Man könnte ihn für verhältnismäßig jung halten; die ältesten Ortschaften unserer Gegend sind mit den Endungen „ingen, stede, büttel“; aber Elmshorn ist früh bezeugt, schon 1141, und vielleicht schon lange vorher bestanden. Keine Schwierigkeit macht der zweite Teil des Namens. Nach Jellinghaus „Holsteiner Ortsnamen“ sind in „horn“ zwei Wörter zusammengeflossen: das Neutrum horn, friesisch horn = das Horn, und das Femininum „Hörne“, friesisch hern, hjarn = Ecke. Es wird in „horn oder hörn“ der Vorsprung einer Feldflur in einen Wald, des Landes in eine Wasser, des Wassers ins Land, eines Besitztums in ein benachbartes bezeichnet. „Horn“ tritt, wie wir sehen werden, in der näheren Umgebung des Krückautales in Orts- und Flurnamen auffallend häufig auf.

   Nicht so einfach ist die Deutung des ersten Bestandteils des Namens. Zwei Erklärungen haben sich bis jetzt zu behaupten versucht: Die Ableitung von Elveshörn oder Elveshorn, also vom nahe gelegenen  Elbstrom. Der Name wäre danach als Horn oder Winkel der Elbe zu deuten. Dann die Ableitung von Elm, Ulme; in diesem Falle läge im Namen die Bedeutung Ulmenwinkel oder Ulmenecke

   Die erste Erklärung als Elbecke tritt recht früh auf. Schon Ernst Philipp Lilie bringt sie1758 in seiner Beschreibung der großen Flut von 1756 Seite 24 „Da horen soviel bedeutet als das Äußerste, die Grenze oder einen Winkel, so kann es sein, dass daher der Name Elbeshorn (ein Ort, der an die Elbe damals angegrenzet) entstanden, woraus nachmals um leichtere Aussprache willen Elmshorn ist gemacht worden“.

   Nicolaus Friedrich Geuss „Beyträge zur Kirchengeschichte und Altershumskunde“ (Itzehoe 1778) sagt Seite 8: „Zu der Zeit Carls des Großen hat ein Arm des Elbstromes Elmshorn vorbey gehabt; denn Elmshorn soll eigentlich heißen: Elweshörn, das ist ein Winkel der Elbe.“Die „Urgeschichte des Schleswigholsteinischen Landes“ von Dr. P. H. K.von  Maack, Kiel 1869, weist auf die Stelle bei Danckwerth Seite 282 hin, wonach die Haseldorfer Marsch zu Vizelins Zeit aus „lauter Insulenn und Pfützen“ bestanden habe, wie ein alter Abriss davon zeige. „Denkt mann nun alle Elbmarschen als Inseln, so  wird man finden, dass der damalige gebogene Lauf der Elbe manchen mehr oder minder tiefen Einschnitt oder Winkel (Horn) ins Land machte. Einen solchen bildete die Elbe bei Elmshorn, daher sein Name: Elmshorn  = Elweshörn.“

   Die Deutung des Namens Elmshorn als „Ulmenwinkel“ bringt zuerst Detleffens „Geschichte der holsteinischen Elbmarsch“, Bd. I, Seite 229: „ Es erscheint zuerst 1141 als Dorf mit Namen Elmeshorne, dessen Ursprung mit der Elbe, wie vielfach angenommen wird, nichts zu tun hat, sondern sich aus dem Altniederdeutschen einfach als „Ulmenwinkel“ erklärt.“ In einer Fußnote fügt er noch hinzu: „Vereinzelt kommt in späteren Urkunden die Form Elveshorn vor.“ Unter Verbesserung und Nachträgen Bd. I Seite 444 bringt Detlessen dann aber eine Notiz von Jellinghaus:“ Das Elmeshorne = Ulmenwinhel ist, glaube ich nicht. Die anderen von elme = Ulme abgeleiteten Ortsnamen, wie Elmenhorst, Elmlo, Elmenhagen, haben alle kein s.“

   Die Deutung als Ulmenwinkel bietet in mehrfacher Beziehung wohl die geringsten Schwierigkeiten. Zunächst sei festgestellt, dass die Ulme ehemals auch im Holsteinischen ein weit verbreiteter Waldbaum war und häufig in Orts- und Flurbezeichnungen auftritt, und zwar unter der alten, seit dem 9. Jahrhundert bezeugten west – und nordgermanischen Form elm (e), ilm, olm, alm. Wir finden das „elm“ in Elmenhorst, Kreis Lauenburg, Elmholz im Stendruper Forstbezirk, Elmekenrod, ehem. Dorf im Kirchspiel  Curau; Elmenhorst, Ksp. Siebeneichen hieß 1230 Elmhorst. – Die genannten Formen werden sowohl männlich als weiblich flektiert  (oder haben genus communis); für unsere Gegend kommen wohl nur die Sprachformen angelsächsisch elm-m mittelniederdeutsch elm (e) m und w dänisch elm, m in Frage. Bei Gebrauch des männlichen Kurznamens elm würde also das „s“ in Elmshorn keine Schwierigkeit bieten. Nun zeigen aber die oben genannten, sonst in Holstein vorkommenden Orts- und Flurnamen, worauf schon Jellinghaus hinwies, ausnahmslos die Endungen der schwachen Biegung oder eine indifferente Form; es ist daher nicht anzunehmen, dass der Name Elmshorn eine Ausnahme bilde. – Nun bleibt noch die Möglichkeit, dass Buchstaben ausgefallen sein können: Elmseshorn – elm – esch – horn = Ulmenfeldswinkel, oder an das elm könnte ein sog. Kollektivsuffir angehängt worden sein. Tatsächlich ist diese Bildung auch von dem Baumname Ulme mit einer urgermanischen Nachsilbe it als Elmet = Ulmenwald, Ortsname bei Beda bezeugt. Aber eine Bildung aus „Elmeteshorn, elmtshorn (Ulmenwaldswinkel) dürfte wohl kaum ernstlich in Frage kommen.

   Die Erklärung als „Elbwinkel“ wird von einigen Sprachwissenschaftlern völlig abgelehnt; aber für sie sind tatsächlich die natürlichen Gegebenheiten vorhanden; denn der Ort ist am Auübergang entstanden als Hafenort der Elbe. Bis Elmshorn reicht die von der Au durchflossene Tieflandsbucht, ein Elbwinkel; die Lage im Stromgebiet der Elbe und die Verbindung mit dem großen Strom ist von jeher ausschlaggebend gewesen für die wirtschaftliche Entwicklung  und die Zusammensetzung und Beschäftigung der Bewohner. Bemerkenswert ist das auffallend häufige Auftreten der Bezeichnung „hörn“ oder „horn“ als Örtlichkeits- und Flurname im Krückautale von der Elbe her. Hörn heißt eine Deichecke bei Kollmar; wir haben sie als Hörn bei Raa, in Gushörn bei Strohdeich, dann in Spiekerhörn, „In de Hörn“ bei Seester-Kurzenmoor, in Wenthorn bei Seester (1397), als Herzhorn. Der Lautwandel von el(b,v) eshorn  – el(m)eshorn, der seine Parallelen schon im Zahlwort elf, mnd. in elm, ölm (Mensing I 919) findet,  könnte sich schon, da der Ort alt ist, vor dem urkundlichen Auftreten vollzogen haben. Dr. Maack „Urgeschichte des Schleswig-holsteinischen Landes“, (Seite 69) glaubt in dem Übergang des w in m keltische Einwirkung zu sehen. „Im Keltischen wird bekanntlich das mortifizierte m (=gäl. mh oder irisch m) wie w ausgesprochen. So sagt ja auch der Süddeutsche, ein germanisierter Kelte, „mer“ statt „wir“. Und wenn die Umwandlung Elmeshorn auf Elves-oder Elbeshorn als möglich zugegeben werden kann, so ist auch das mascul. s aus dem männlichen lateinischen albis, is, acc. im, abl. i, = Elbe (bei Tacitus) zu erklären. Zu bedenken ist wieder, dass mlat. albia, ahd., mhd. el (b, f, v) stets weiblich ist und dass in den Urkunden von 1141, 1144 der Ort eindeutig als Elmeshorn bezeugt ist.

   Die Form „Helmeshorne“ nur einmal um 1200 in dem Neumünst. Copiar., Staatsarch. Hamburg, auftretend, dürfte auf ein Versehen des Abschreibenden zurückzuführen sein; ähnliche  Fehler kommen um die betreffende Zeit bei vokalisch anlautenden Namen mehrfach vor

   Aber eine andere Anregung verdient wohl Beachtung. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass im Bestimmungswort ein Personenname enthalten wäre. Elmeshorn könnte entstanden sein aus dem Personenname Elmer, ursprünglich Alimar, ähnlich wie Eimsbüttel aus elmerbotel erklärt wird. Hier ist der Ausfall des r allerdings viel später eingetreten. Da aber das Grundwort „horn“ sonst nicht mit dem Personennamen zusammen auftritt, ist von einer Deutung in diesem Sinne abzusehen.

   Das Endergebnis dieser Darlegung muss sein, dass eine sichere, unzweideutige Erklärung des Namens bis jetzt nicht möglich ist. Der Ursprung des Namens bleibt vorläufig dunkel.

   Aber mag uns auch die letzte endgültige Deutung versagt bleiben, es ist schließlich nicht von so großer Bedeutung, wenn wir nicht genau wissen, ob ein deutscher Waldbaum bei dem Name Pate gestanden hat, als die Siedler aus dem Sachsengeschlecht nach harter Rodungsarbeit sich im oder am Ulmenwald niederließen, oder ob doch, was wahrscheinlicher ist, der mächtige deutsche Strom, in dessen Stromgebiet die Niederlassung erfolgte, zur Namensgebung reizte. Jedenfalls ist in beiden Fällen der Name Elmshorn sinnvoll und schön und erzählt von dem Stolz der Siedler auf die neue Heimat und von der Freude an ihr. 

Abschrift von Arno Freudenhammer

 

 


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