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Über das Torfgraben in der Herrschaft Pinneberg in früherer Zeit

“Aus der engeren Heimat”, Beiträge zur Weckung von Heimatsinn und Heimatfreude von Konrad Struve, erschienen im Aug. 1927
 

    In früherer Zeit hatte der Torf  als Brennmaterial eine größere Bedeutung als jetzt; er bildete in vielen Fällen das einzige Heizmaterial während der langen Wintermonate. Die meisten Hauseigentümer waren auch im Besitz einer Moorflagge, wo der nötige Torfvorrat oft mit großer Mühe im Sommer gegraben und zubereitet wurde, und an keinem der älteren Häuser des Ortes fehlte an dem hölzernen Giebel die Aufzugsnase zum Aufwinden der gefüllten Torfkörbe. Bei größeren ländlichen Haushaltungen war zur Beschaffung des Heizmaterials wochenlange Arbeit durch eine Anzahl von Arbeitskräften nötig.

Über die damit verknüpften Missstände lässt ein ungenannter Zeitgenosse im Jahr 1823 sehr bewegliche Klagen hören:

„Mit der Torfgewinnung zu bestimmter Zeit tritt ein verändertes häusliches Verhältnis ein. Knechte und Mägde wandern, auf 8 Tage mit Speise und Trank ausgerüstet, aufs Moor, bauen sich dort Erdhütten und leben ununterbrochen eine Woche hindurch in engster Gemeinschaft miteinander. Jeden Sonnabend kehren sie zur Erneuerung ihrer Wäsche, ihres Mundvorrates usw. nach Hause zurück. Mit dem Montage tritt das ungezwungene Moorleben  wieder ein, und so wiederholt es sich 5 bis 6 Wochen hindurch.

Kann für das sittliche Gefühl etwas empörender sein als durch diese Lebens- und Beschäftigungsweise? Und kann für ein junges und unerfahrenes Mädchen irgendeine Lage gefährlicher werden als dieses einsame Hüttenleben? Wie ehrenwert erscheint dagegen die wirklich ehrbare Sitte des Fensterns und ist doch durch Gesetz verpönt.

Sowie die genannte Moorzeit naht, sieht man die dienende Klasse in Scharen zur Beichte und zum heiligen Abendmahl gehen. Allgemein hört man sagen: es wird präveniert auf die Vergebung der nächtlichen Moorsünden. Ebenso äußert man sich rücksichtlich der etwa begangenen Moorsünden beim Anblick der nach beendigter Moor- und Erntezeit wieder auftretenden Züge von beichtenden Dienstknechten und Mädchen.

Nur zu oft wird die verführerische Nähe der großen Stadt für den Verfall der Sitte in Anspruch genommen; doch auf dem einsamen Moor ist er zu finden, der schreckliche Urheber des hiesigen Sittenverfalls.

Der Verfasser dringt dann darauf, die Arbeit der Torfgewinnung ganz dem männlichen Geschlecht zuzuweisen.

Abschrift von Arno Freudenhammer

 


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